Nachgedacht

Beitrag : April 2021

Kunst-Werk

Kunst-Werk und Betrachter als unabdingbare Einheit

 

„Jede Begegnung mit einem Kunstwerk ist dialogisch, das heißt, was sich ereignet, wenn jemand ein Gemälde, eine Skulptur oder irgend ein anderes Objekt betrachtet, das sich als Kunst zu erkennen gibt, entsteht  zwischen dem Betrachter und dem betrachteten Ding. Kunst hat etwas Intersubjektives an sich, weil wir  sie nicht bloß als ein Ding betrachten, sondern als ein von den Spuren eines anderen lebenden Bewusstseins erfülltes Objekt“                         

Siri Hustvedt /Leben, Denken, Schauen / rororo 2018 / Seite 40

 

Jedes Ding, Bild, Objekt jeder Ton, jede Bewegung oder jedes Objekt hat seinen eigenen Sinn, seine Funktion seine Bedeutung. Im Moment des (z.B. gemalten, gesungenen usw. Kunst-Werks) können sie, auch kombiniert mit anderen, in einen eigenen, verschlüsselten, neuen, verwirrenden, Anst machenden, geheimnisvollen oder banalen Sinnzusammenhang gestellt werden. Sie werden künstlerisch, kreativ transformiert. Der Eindeutigkeit stehen unendliche Deutungsmöglichkeiten, Mehrdeutigkeiten offen. Es hat nicht mehr seine Bedeutung, sondern es wird gedeutet.     

In dem Moment können sie ihre Realität verlassen und z.B. surreal werden, d.h. ihre Realität setzt sich in jedem Betrachtenden neu und individuell zusammen. Der Betrachter wird also eingeladen, sich auf eine eigene Reise des Sehens, Verstehens, Hörens und Interpretierens zu begeben, die das eigentlich Unmögliche möglich macht, das nicht Sichtbare sichtbar. Er hat die durch seine Kunst der Entschlüsselung, vielleicht Entzauberung der Kunst die Möglichkeit, dem Werk ein jeweils neues, eigenes Bild oder Bedeutung zu geben.

Künstler und Betrachter bilden so eine unzertrennliche Einheit der Interaktion. Nur durch Beide erhält das z.B. Bild seine jedesmal neue Bedeutung.  Nun ist der Betrachter gefragt, jedem Kunst-Werk mit seiner Phantasie und Kreativität eine neue, eigene Bedeutung und damit auch eigenen Sinn zu geben.

Neuer Beitrag Mai/2021

Ist Kunst Hobby, Freizeit oder Arbeit?

Ab wann systemrelevant?

Der renommierte Kunstpublizist, Buchautor und freie Kurator Raimar Stange hat in der neuen Ausgabe des „artist KUNSTMAGAZIN“ einen bemerkenswerten Essay zum Thema Kunst versus Hobby- und Freizeitkunst geschrieben, ein bis heute aktuelles und äußerst kontrovers diskutiertes Thema. Hierbei ärgert er sich mit Recht über den Begriff „systemrelevant“, z.B. wenn eine Shopping Malls mit Freizeitartikeln für Sport bis Musikhören geöffnet sind, dagegen aber viele Museen geschlossen, weil es sich hier um einenFreizeitsektor“ handelt, der also nicht „Systemrelevant“ ist. Und dennoch: Die Art und Weise wie der hiesige Kunstbetrieb seinen berechtigten Ärger begründet, ist durchaus fragwürdig.“

Warum? Das arg gebeutelte „Betriebssystem Kunst“ erklärte sich plötzlich als systemrelevant und empöre sich andererseits, Kunst sei „Freizeit“. Der Autor findet diese Formulierung „peinlich“, denn es sei noch nicht lange her, dass Bildende Kunst mehr sein wollte als eine „wertsteigernde, warenförmige Dekoration für potente Sammler oder ein ach so komplexes Stück Ästhetik, an der sich Kunsthistoriker abarbeiten“. Kunst wollte Kunst sein und z.B. mit ihrer Kritik an der Gesellschaft über die „systemimmanenten Stränge“ schlagen, die vor allem heute wichtig ist,“um mit Kunst(werken) engagiert kämpfen zu wollen für lebenswertere Zustände auf unseren krisengeschüttelten Welt.“

Entsprechend denkt Stange über den Unterschied von „Arbeit“ versus „Freizeit“ nach und fragt sich, warum der Kunstbetrieb den Begriff „Freizeit“ so barsch zurückweist: “Ist Kunst also bloße (erholende) Unterhaltung? Oder ist sie nicht vielmehr eine Form (ästhetischer) Bildung?“ Er stellt fest, dass gerade diese „rein bürgerliche Trennung“ von Freizeit, Arbeit und „hedonistischen Genuss“ von Künstlern z.B. der Relationalen Ästhetik aufgehoben wurde. Unterhaltsame Freizeit bekommt „wenn man nach Brecht so will, dadurch Lehrwert und ist daher weit mehr als nur ein Zeit vertreibendes, also Zeit vernichtendes Nachgehen eines Hobbys“.

So sind für Stange Kunst und Freizeit keine „unüberwindbaren Gegensätze“ und daher gäbe es auch keinen Grund des „Betriebssystems Kunst“ sich so wütend gegen die „Freizeit“ zu wehren. Und am Ende kommt er zu dem Schluss, dass es stattdessen wichtig wäre, die eigenen Freizeitangebote“ (wieder) so pädagogisch wertvoll wie möglich zu gestalten“.

Vor dem Hintergrund dieser klugen Überlegungen, sollte man einmal mehr den Unterschied zwischen der „richtigen“ Kunst und der bloßen „Freizeit und Hobbykunst“ überdenken.

Artist Kunstmagazin Ausgabe Nr. 126/Februar 2021-April 2021 /Artist Essay von Raimar Stange /“Systemrelevante Freizeitkunst?“ / Seite 37/38

C Text: Michael Troesser

Siehe hierzu auch Elfi Lütcke, Vorwort, „Freude an der Kunst“ >>> https://www.kunstverein-ratinger-maler.de/ueber-uns/

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