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Ist Kunst Hobby, Freizeit oder Arbeit?

Ab wann ist Kunst systemrelevant?

Der renommierte Kunstpublizist, Buchautor und freie Kurator Raimar Stange hat in der letzten Ausgabe des „artist KUNSTMAGAZIN“ einen bemerkenswerten Essay zum Thema Kunst versuch Hobby- und Freizeitkunst geschrieben, ein bis heute aktuelles und äußerst kontrovers diskutiertes Thema.

Hierbei ärgert er sich mit Recht über den Begriff „Systemrelevant“, z.B. wenn eine Shopping Mail mit Freizeitartikel für Sport bis Musikhören geöffnet sind, dagegen aber viele Museen geschlossen, weil es sich hier um einen „Freizeitsektor“ also nicht „Systemrelevant“ handelt. Und dennoch: “Die Art und Weise wie der hiesige Kunstbetrieb seinen berechtigten Ärger begründet, ist durchaus fragwürdig.“

Warum? Das arg gebeutelte „Betriebssystem Kunst“ erklärte sich plötzlich als systemrelevant und empöre sich andererseits, Kunst sei „Freizeit“. Der Autor findet diese Formulierung „peinlich“, denn es sei noch nicht lange her, dass Bildende Kunst mehr sein wollte als eine „wertsteigernde, warenförmige Dekoration für potente Sammler oder ein ach so komplexes Stück Ästhetik, an der sich Kunsthistoriker abarbeiten“. Kunst wollte Kunst sein uns z.B. mit ihrer Kritik an der Gesellschaft über die „systemimmaneten Stränge“ schlagen, die vor allem heute wichtig ist,“um mit Kunst(werken) engagiert kämpfen zu wollen für lebenswertere Zustände auf unseren krisengeschüttelten Welt.“

Entsprechend denkt Stange über den Unterschied von „Arbeit“ versus „Freizeit“ nach und fragt sich, warum der Kunstbetrieb den Begriff „Freizeit“ so barsch zurückweist: “Ist Kunst also bloße (erholende) Unterhaltung? Oder ist sie nicht vielmehr eine Form (ästhetischer) Bildung?“ Er stellt fest, dass grade diese „rein bürgerliche Trennung“ von Freizeit, Arbeit und „hedonistischen Genuss“ von Künstlern z.B. der Relationalen Ästhetik aufgehoben wurde. Unteraltsame Freizeit bekommt „wenn man nach Brecht so will, dadurch Lehrwert und ist daher weit mehr als nur ein Zeit vertreibendes, also Zeit vernichtendes Nachgehen eines Hobbys“.

So sind für Stange Kunst und Freizeit keine „unüberwindbaren Gegensätze“ und daher gäbe es auch keinen Grund des „Betriebssystems Kunst“ sich so wütend gegen die „Freizeit“ zu wehren. Und am Ende kommt er zu dem Schluss, dass es stattdessen wichtig wäre, die „eigenen Freizeitangebote“ (wieder) so pädagogisch wertvoll wie möglich zu gestalten“.

Vor dem Hintergrund dieser klugen Überlegungen, sollte man einmal den Unterschied zwischen der „richtigen“ Kunst und der bloßen „Freizeit und Hobbykunst“ überdenken.

Artist Kunstmagazin Ausgabe Nr. 126/Februar 2021-April 2021 /Artist Essay von Raimar Stange /“Systemrelevante Freizeitkunst?“ / Seite 37/38 / Bildzitat: www.artist-kunstmagazin.de

C Text: Michael Troesser

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